Conductor Johannes Klumpp

Johannes Klumpp im Interview

Johannes Klumpp, was macht die SommerMusikAkademie Schloss Hundisburg (SMA) aus?

Hier gibt es junge Musiker auf allerhöchstem Niveau. Trotz des vergleichsweise minimalen Budgets – egal, bei welchem Konzert, bekommt das Publikum höchste Qualität geboten, in der Kammermusik, beim Jazz, im Besonderen Konzert. Und Höhepunkt der Akademie ist natürlich das Abschlusskonzert des Orchesters, bestehend aus Studenten aus ganz Europa. Am ersten Tag kennt sich niemand, über eine Woche wächst das Orchester zusammen und am Ende sind sie ein Organismus, der gemeinsam atmet, sich gemeinsam bewegt, gemeinsam fühlt. Das macht unsere SMA aus: Das Junge, die Völkerverständigung, die musikalische Passion.

Was, glauben Sie, fasziniert das Publikum besonders?

Die SMA Schloss Hundisburg ist das Festival der besonderen Orte. Wer einmal die Atmosphäre während der Konzerte in der Schlossscheune erlebt hat, vergisst das nicht so leicht. Und natürlich sind auch die anderen Spielstätten – der Hauptsaal des Schlosses, die Kirche, das alte Fabrikgebäude oder die Alte Ziegelei – einmalige Orte. Und im Wandelkonzert werden manchmal auch solche Orte des Schlosses zum Konzertsaal, die das Publikum ansonsten nie zu Gesicht bekommt.

Auf welche Entwicklung sind Sie besonders stolz?

Wir haben es geschafft, eine unheimlich schöne Nähe zwischen Publikum und Musikern entstehen zu lassen. Im ersten Jahr habe ich zu einer öffentlichen Probe eingeladen, und plötzlich war die Scheune halbvoll. Da habe ich dann angefangen, nicht nur zu proben, sondern auch Hintergründe und Strukturen der Musik zu erläutern. Und die Menschen waren fasziniert. Das steigert sich nun von Jahr zu Jahr. Mittlerweile ist die Scheune überfüllt bei diesen Proben. So ist es uns über die Jahre gelungen, eine große Identifikation mit der SMA herzustellen. Die Leute hier leben jedes Jahr zehn Tage lang die Musik mit – sie sind neugierig, wollen mehr über die Hintergründe der Musik erfahren. Der Akademie-Gedanke schließt also nicht nur die jungen Musiker mit ein, sondern auch die Zuhörer. Da sie etwas über Musik erfahren, fühlen sie sich auf einmal tiefer in die Musik ein – und wir spüren: Wir haben sie infizieren können.

Ist so auch die Idee zum Wandelkonzert entstanden?

Ja, im Wandelkonzert ist alles vereint, was uns ausmacht. Die Kammermusik für das Wandelkonzert müssen die Orchestermitglieder selbstständig einstudieren, ohne Anleitung. Da sitzt zum Beispiel ein Streichquartett mit Menschen aus Polen, Rumänien, Spanien und Lettland zusammen und muss sich über die Interpretation eines Stückes einig werden. Das ist Völkerverständigung pur – und am Ende stehen oft beeindruckende musikalische Ergebnisse und Erlebnisse. Das Publikum geht mit mir von Station zu Station und erlebt Musik an ungewöhnlichen Orten. Außerdem führe ich in jedes erklingende Stück ein und hoffe so, den Musikgenuss noch zu vertiefen. Also kommen hier die drei Komponenten zusammen: Interkultureller Austausch junger Menschen, Musik an besonderen Orten und die unmittelbare räumliche und innere Nähe zwischen Musikern und Publikum.

Zurück zu Künstlerische Leitung